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Theater im Museum - TheatermuseumEin Projekt für Schüler im Österreichischen TheatermuseumUlrike Riss (Wien) Theatersammlungen und Öffentlichkeit / Les Collections Théâtrales et le Public / Theatre Collections and the Public 17. Internationaler SIBMAS-Kongreß / 17ème Congrès International de la SIBMAS / 17th International SIBMAS Congress, 1.-9. September 1988, Mannheim Bericht / Actes / Documentation. Red.: Liselotte Homering. Mannheim : Städtisches Reiß-Museum, 1990. pp. 144-147 Abstract: Theatre in the Museum - Theatre Museum The content of theatre exhibitions has changed considerably during the last few years. There are no longer any tributes to star actors. Most important today is the presentation and visualization of the theatre as part of cultural life; the developments and relationships within theatrical history, and also the presentation of a "behind the scenes" view of theatre productions, of the links between the theatre of the present and the theatre of the past. Other disciplines (art history, history, literature, etc.) should be incorporated into all these features. Under the motto "A different type of museum" the Austrian Theatre Museum has since 1987 been using new forms of expression which are aimed at addressing different types of visitors. The aim: The museum should become a place where visitors can have new experiences relating to life by coming into contact with cultures and cultural events of the past. Strategies of expression: role-play, movement, gestures, facial expression, make-up, disguise, music, etc., i.e. theatrical forms. Starting point: the unique object, which can only be seen in the museum. Applied means: search operations, worksheets, questionnaires, exchange of experiences, finally the presentation of one's individual experience in one's own expressive form. Result: The impressions gained are consolidated on an emotional level. The reciprocal presentation of the results of each group constitutes the conclusion of the work. - This guided action aims at creating a dialogue-like, activating contact with exhibition contents which encourages self-initiative, the course of the individual guidance always being determined by the curiosity, the previous experience, and the preferences of the participants. "Das Theatermuseum kann nicht Theater sein, kann nicht Theater ersetzen, aber es kann durch geeignete Maßnahmen dem Theatererlebnis nahekommen", meint Winrich Meiszies1 in einem Artikel über die Situation der Theatermuseen in der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Ausstellungsraum sollte so gestaltet sein, daß er neugierig auf den nächsten macht. Die Inszenierung einer Theaterausstellung erfordert jedoch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, denn die optische Gestaltung muß so ausgerichtet sein, daß alles zu dem ausgestellten Gegenstand hinführt, und nicht von diesem ablenkt. In der Vergangenheit haben sich die Inhalte der Ausstellungen wesentlich geändert; im Mittelpunkt stehen nicht mehr Huldigungen an Schauspielerstars, sondern die Präsentationen zeigen "Theater" als Teil kulturellen Lebens, stellen Entwicklungen und Beziehungen innerhalb der Theatergeschichte her, versuchen "hinter die Kulissen" von Theaterproduktionen zu schauen, stellen Bezüge vom vergangenen zum gegenwärtigen Theater her, beziehen andere Disziplinen, wie Kunstgeschichte, Geschichte, Literatur u.v.m. in die Betrachtungsweise mit ein und können - gerade in Wien - auf einen reichen Fundus an Objekten und Zeugnissen zurückgreifen. Mit diesen inhaltlichen Änderungen ging eine Änderung der Form der Präsentation Hand in Hand. Waren die Besucher früher gewohnt, die Objekte in schlichter Aufreihung - nach dem Motto "immer an der Wand lang" - zu sehen, legt man in Wien seit einigen Jahren besonders darauf Wert, daß den Ausstellungen nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein optisches Konzept zugrunde liegt. Es geht darum, die inhaltliche Konzeption in eine anschauliche zu übertragen. Unter dem Motto "Museum einmal anders" startete im Jahr 1987 ein museumspädagogisches Projekt, das in Form von Führungen Schülern ab 14 Jahren die Ausstellung über Johann Nestroy im Österreichischen Theatermuseum näherbringen sollte. Wir versuchten neue Formen der Ausstellungsvermittlung anzubieten, um neue und interessierte Besucherschichten anzusprechen. Es gibt zwar eine eingeschworene Gemeinde von Theaterenthusiasten und Fans, die immer wieder die Ausstellungen besuchen, jedoch neue Besucher anzusprechen, ist eine Herausforderung an Kreativität und Erfindungsgabe. Der Nimbus des "alten Museums", Musentempel für Bildungsbeflissene zu sein, sollte einem attraktiveren, moderneren Image Platz machen. Museum sollte ein Ort werden, an dem lebensbezogene und erlebnisreiche Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit vergangenen Kulturen und Kulturereignissen gemacht werden können. Kinder und Jugendliche sind nun besonders begabt und phantasiereich, angebotene Möglichkeiten zu nutzen, um Inhalte zu erfassen und zu begreifen. Methoden und Mittel des Theaters - wie Rollenspiel, Bewegung, Gestik, Mimik, Verkleidung, Schminke - können gerade in einem Theatermuseum besonders gut zur Vermittlungsarbeit herangezogen werden. Da es aber gerade bei einem kleinen Museum, wie dem in Wien, an eigenen ausgebildeten Museumspädagogen mangelt, war das Angebot des museumspädagogischen Dienstes der Bundesmuseen, ein Ausstellungsvermittlungsprogramm zu entwickeln und durchzuführen, sehr willkommen. Das Projekt mit dem Titel ... über die Bühne versuchte, die Ausstellung über den Dichter, Schauspieler und Bürger Johann Nestroy Schülern näherzubringen. Die Ausstellung zeigte die Persönlichkeit Johann Nestroys von unterschiedlichen Seiten - als Künstler, Vater, Ehemann und Freund. Diese Konzeption setzte somit auf eine Vermittlungsarbeit, die die Auseinandersetzung mit der Person, mit Zusammenhängen und Hintergründen den Fakten und Daten vorzog. Bei jeder Form der Vermittlungsarbeit steht das Objekt im Mittelpunkt. Das ist das Einmalige, das nur in dem Museum oder in der Ausstellung gesehen werden kann. Auf das ausgestellte Objekt wird zunächst die Aufmerksamkeit der Jugendlichen gerichtet. Dies oder jenes Zeugnis oder Bild zu finden, erweckt die Neugier und lockt zum ersten Erkundungsgang durch die Ausstellung. Zu Beginn der Führung war eine Einführungsphase notwendig, den Ablauf des Besuches näher zu beschreiben, was die aktuelle Ausstellung inhaltlich biete, wie lange die Aktion dauern werde. Dia 1 Vor einer drehbaren Rolle, auf der alle von Nestroy gespielten Rollen verzeichnet waren, konnten die Schüler den vielbeschäftigten Theaterleiter, Schriftsteller und Schauspieler kennenlernen, aber auch Nestroys Hektik und die damit verbundene Sehnsucht nach Ruhe und Nichtstun - dieser Zustand wurde durch ein gemaltes Prospekt angedeutet, auf dem man Nestroy fischend in einem Boot an der Küste Helgolands sehen konnte. Dia 2 Nach dieser Einführung wurde die gruppe mit hilfe zweier symbolischer Requisiten - einer papierroll und einem "Mascherl"="">2 - geteilt. Dia 3 In einer Gruppe suchten die Schüler anhand eines Nestroy-Zitates - "Wir sein nix als Narren des Schicksals" - Exponate zur Zensur, zu politischen Ereignissen, insbesondere zur Revolution von 1848 und zu bekannten Rollendarstellungen Nestroys. Dia 4 Unterstützt wurde diese Suchaktion durch Arbeitsblätter und Fragebögen. Nach dem Suchen und Finden der Objekte und Aussagen war es notwendig, über das Gesehene und Erfahrene miteinander zu kommunizieren. Das Umsetzen in eigene Ausdrucksformen, sei es in einem Rollenspiel oder in einer musikalischen Darbietung, verfestigt die Eindrücke auf der emotionalen Ebene. Dia 5 Ein überraschendes Erlebnis war das Singen des Kometenliedes aus dem Stück Lumpazivagabundus mit Akkordeonbegleitung. Mit viel Begeisterung wurde das Umdichten der ersten Strophe des Couplets jeweils in Angriff genommen. Allen Klassen gelangen in kurzer Zeit zwei Couplet-Versionen, meist mit Anspielung auf die eigene Schulsituation. Die zweite Gruppe beschäftigte sich besonders mit Nestroy als Bürger und Künstler. Diese Aufteilung in Privatmensch und in der Öffentlichkeit stehender Mensch war auch im Konzept der Ausstellung enthalten.Wie Nestroy als Schauspieler gewirkt haben mag, wurde anhand der ausgestellten Bilddokumente besprochen. Dia 6 Diese typische Haltung des Schauspielers Nestroy wird uns auf allen zeitgenössischen Darstellungen überliefert. Der Schüler beobachtet diese Tatsachen und ahmt sie nach. Den Abschluß in dieser Gruppe sollte die Darstellung je eines Aspektes aus Nestroys Persönlichkeit bilden. Dia 7 Einfache Requisiten, wie hier ein Zylinder, kennzeichneten Nestroy als Privatmensch. Dia 8 Die Schürze des Weinberl aus Einen Jux will er sich machen zeigten ihn als Künstler. Dia 9 Die gegenseitige Darbietung der Gruppenergebnisse im Theatersaal des Museums bildete den Abschluß der Arbeit. Die Schüler führten, teils unbekümmert fröhlich, teils mit gehörigem Lampenfieber, ihre Couplets und ihren Nestroy vor. Ziel dieser vorgestellten Führungsaktion im Österreichischen Theatermuseum ist es, die Auseinandersetzung mit den Exponaten und der Ausstellungsaufbereitung dialoghaft und aktivierend zu gestalten, die Eigeninitiative der Teilnehmer herauszufordern und intensiven visuellen Zugang zu den Originalen zu bieten. Interesse, Neugier, Vorerfahrungen und Vorlieben der Teilnehmer bestimmen grundsätzlich den Verlauf der Führung. Wichtig ist der positiv erlebte Museumsbesuch des Jugendlichen. Wer eine angenehme Erinnerung an den Museumsbesuch mitnimmt, wird als Erwachsener wieder ins Museum gehen. Wenn ich einige Schülerreaktionen zitieren darf: "Die Führung war interessant, lehrreich und unterhaltsam. Die Zeit verging wie im Flug. Es war nicht ein stures Aufzählen von Lebensläufen und Jahreszahlen. Es war eine lustige Arbeit. Ich werde sicher wieder in dieses Museum kommen." Die durchweg positiven Rückmeldungen der Schüler und Lehrer auf diese Führungsaktion bestätigten die Richtigkeit unserer Bemühungen. Auch gibt es heuer wieder eine Ausstellungsvermittlungsarbeit. Die heurige Ausstellung3 behandelt die Bedeutung von Bühnenbildmodellen innerhalb einer Theaterproduktion. So stehen bei der Vermittlungsarbeit diesmal Werken und Zeichnen im Mittelpunkt. Das Verhältnis von Modell zu originalem Bühnenraum und die verschiedenen künstlerischen Möglichkeiten der Ausgestaltung des Raumes werden thematisiert. Anmerkungen 1Meiszies, W: "Theatermuseum - auf der Suche nach einem Phantom". In. Museumskunde, Bd. 53, Heft 1.1988. S.19-25. S.22 [Anm. d. Red.]. (back) 2Mascherl (österr.) = gebundene Schleife, Schleifchen [Anm. d. Red.]. (back) 3"Vom Bild zum Raum. Bühnenmodelle 1781-1987". Konzeption: U. Riss. Assistenz: S. Kargl. Ausstellungsgestaltung: B. Rukschcio. Österreichisches Theatermuseum Wien, 1988. Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen, hrsg. von 0. Pausch [Anm. d. Red.]. (back)URL:
http://www.theatrelibrary.org/sibmas/congresses/sibmas88/mannheim1988_24.html
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